Kapitalmärkte

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„Kompassanpassung“ – Der Kapitalmarktkommentar von Frank Termathe

Der Ausblick für das Börsenjahr 2018 verändert sich leicht. Insgesamt sind die Wirtschaftsdaten zwar sehr gut, aber nach fast 8 Jahren Börsenanstieg dürfte sich die Wachstumsdynamik langsam abschwächen. Gleichzeitig dürfte der dämpfende Effekt, den die niedrigen Rohstoffpreise in den letzten Jahren auf die Inflationsrate hatten, wegfallen. Im Gegenteil, wir müssen in den kommenden Quartalen sogar mit steigendem Inflationsdruck von der Rohstoffseite rechnen. Das bedeutet, dass danach mittelfristig auch die Zinsen steigen werden.

Eine für Bondanleger zweischneidige Entwicklung. Einerseits wünschen sie sich höhere Zinsen für ihre Geldanlage, andererseits verlieren ihre bisherigen Geldanlagen an Wert. Daher ist ein schneller Zinsanstieg unerwünscht. Aber selbst bei einem gemäßigten Zinsanstieg droht eine Neuallokation vieler institutioneller Investoren. Denn für sie sind sichere Zinseinnahmen wichtiger als Kursgewinne am Aktienmarkt, um ihre vertraglichen Zahlungsverpflichtungen erfüllen zu können.

Ende 2018 laufen auch die Stützungskäufe der EZB aus, und eine darauffolgende Bilanzreduzierung der EZB ist wahrscheinlich. Wenn sich diese Entwicklungen zeitlich überschneiden, wird der Kapitalmarkt, dem bis dahin reichlich Liquidität zugeflossen ist, mit Liquiditätsabflüssen zu kämpfen haben. In dieser Zeit werden die Aktien voraussichtlich stärker schwanken, vor allem aber wird sich die Spreu vom Weizen trennen.

Dann werden stabile und nachhaltige Geschäftsmodelle bevorzugt, die sogenannten Value-Aktien. Diese konnten von dem langen Aufschwung bisher nur unterproportional profitieren. Im Vergleich zu den Wachstums- oder Growth-Aktien, die in den letzten Jahren die höchsten Gewinne erzielten. Diese Aktien, auch als FANG-Werte bezeichnet, sind inzwischen sehr teuer geworden. Der Begriff „FANG“ steht unter Investmentbankern für Facebook, Amazon, Netflix und Google. Mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen von über 25 sind diese Unternehmen dem Wachstum verpflichtet. Denn ein KGV von 25 bedeutet, dass das Unternehmen die nächsten 25 Jahre Gewinne in gleicher Höhe erwirtschaften muss, um den derzeitigen Aktienkurs zu rechtfertigen. Wenn in dieser Zeitperiode ein Konjunkturabschwung oder ein Konkurrent „dazwischen grätscht“, sind heftige Kursverluste fast unvermeidlich.

Wir richten daher unsere Aufmerksamkeit inzwischen verstärkt auf Value-Aktien. Dabei wecken die ungeliebten Bankaktien inzwischen unser Interesse. Seit dem Zusammenbruch von Lehman Brothers im Jahr 2008 ist die Branche durch Feuer gegangen. Notleidende Kredite wurden an sogenannte Bad Banks übertragen, Kosten reduziert und strenge Risikokontrollen eingeführt. Die Bankaktien bieten Dividendenrenditen um 4 Prozent. Bei gleichzeitig niedrigen Bewertungen erscheint uns das attraktiv.

Ende letzten Jahres hatten wir unser Investment in Ölaktien via Black Rock World Energie Fund herausgestellt. Im letzten Jahr notierte das Barrel Öl um 50 US-Dollar, inzwischen hat sich der Preis relativ unbeachtet über 70 US-Dollar bewegt. Damit einhergehend verbessert sich natürlich auch die Situation der Ölförder- und Raffinerieunternehmen. Die steigenden Gewinne der Unternehmen werden aber gerade erst von den Marktteilnehmern und Analysten realisiert. Wenn der Ölpreis sich weiter auf diesem Niveau bewegt, wovon wir ausgehen, werden die Gewinne der Unternehmen nachhaltig steigen und damit auch die Aktienkurse.

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Über den Autor

Frank Termathe

Portfoliomanager der ETFplus-Vermögensverwaltung

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