Altersvorsorge-Reformgesetz – Teil 2: 3 Punkte, die Verbraucher jetzt wissen sollten

7. September 2026
Altersvorsorge-Reformgesetz – Teil 2: 3 Punkte, die Verbraucher jetzt wissen sollten

Der Markt ist in Bewegung

Das Altersvorsorgereform-Gesetz, dessen Regelungen ab dem 1. Januar 2027 umgesetzt werden, und das zum Ziel hat, die private Altersvorsorge zu revitalisieren, hat bereits einiges in Bewegung gebracht. Das ist eine gute Nachricht, denn die Absicht der Bundesregierung ist, mit der Reform einer breiten Bevölkerungsgruppe die Sicherung ihres Lebensstandards im Rentenalter zu ermöglichen und durch Zuschüsse und steuerliche Förderung zu erleichtern. Dazu werden die bisher geltenden Rahmenbedingungen für Altersvorsorgeverträge (Riester-Rente) modifiziert und deutlich erweitert. Einige sprechen beim neuen Altersvorsorgedepot (AVD) von einem „Gamechanger“, andere nennen das neue Altersvorsorgedepot „für Deutschland revolutionär“. Fakt ist, dass die Rahmenbedingungen zum neuen Altersvorsorgedepot viele sinnvolle Elemente beinhalten.

Das neue Altersvorsorgedepot mit vielen Vorteilen

Zuallererst: Das AVD bietet mehr Renditemöglichkeiten. Was bisher in anderen Altersvorsorgelösungen wie der Basisrente oder privaten Rente bereits möglich ist, wird nun auch im Altersvorsorgedepot Einzug halten, eine Kapitalanlage, mit der ohne nominale Garantien in geeignete aktiv oder passiv gemanagte Fonds investiert werden darf. Darüber hinaus gehört auch die einfache, vom eingezahlten Eigenbeitrag abhängige Zulagenförderung auf die Liste der Pluspunkte. Bisher muss für die volle Riester-Zulage pro Jahr der Mindesteigenbeitrag eingezahlt werden. Ein wesentlicher Pluspunkt ist auch, dass in der Auszahlungsphase nun neben der Möglichkeit einer lebenslangen Leistung langlaufende Auszahlungspläne ohne Restverrentung zulässig sind. Ein Plus ist auch der erweiterte Berechtigtenkreis. Damit können ab Januar 2027 auch Erwerbstätige mit Einkünften aus Gewerbebetrieb oder aus selbstständiger Arbeit und Pflichtmitglieder der berufsständischen Versorgungseinrichtungen das Altersvorsorgedepot in Anspruch nehmen.

Der Fokus des AVDs liegt ausschließlich auf der eigenen Altersvorsorge

Schwächen hat das Altersvorsorgedepot vor allem dort, wo Zusatzleistungen wichtig sind. Mit der Reform soll der Fokus auf die Kernaufgabe Altersvorsorge gelegt werden. Deshalb ist es nicht zulässig, Zusatzversicherungen gegen Erwerbsminderung oder zur Hinterbliebenenabsicherung mit dem Altersvorsorgevertrag zu verbinden. Auch wird die maximale Höhe der geförderten Beiträge von 1.800 Euro im Jahr für die allermeisten Anleger nicht ausreichend sein. Sie ist ausgerichtet auf den ursprünglichen Anspruch, den die Riester-Rente als Ziel hatte. Sie sollte die Möglichkeit geben, die Absenkungen des Rentenniveaus mit der Reform der gesetzlichen Rentenversicherung 2000/2001 von 70 auf 67 Prozent durch eine private Rente auszugleichen.

Ist das Altersvorsorgedepot immer die passende Lösung?

Für Anleger stellt sich nun die Frage: Wird das neue Altersvorsorgedepot für mich in meiner konkreten Situation die passende Lösung sein? Und für Kunden mit bestehenden Riester-Verträgen entsteht die konkrete Frage, ob ihr bestehender Vertrag noch die richtige Lösung ist oder ob ein Wechsel in das neue Altersvorsorgedepot neue Förderwelt sinnvoll sein könnte.

Die Antwort wird höchst unterschiedlich ausfallen. Was für den einen Kunden sinnvoll ist, kann für den anderen erhebliche Nachteile bedeuten. Altersvorsorge ist eine Entscheidung für Jahrzehnte. Garantien, lebenslange Renten und Langlebigkeitsrisiken werden dabei oft unterschätzt. Die tatsächlichen Auswirkungen einer (Wechsel-) Entscheidung sind häufig deutlich komplexer, als die Produktdarstellung vermuten lässt. Förderhistorien, Garantien, Restlaufzeiten oder Familienkonstellationen spielen eine wichtige Rolle, werden von Verbrauchern aber oft nicht vollständig berücksichtigt.

3 Punkte, die Verbraucher aktuell wissen sollten, wenn es um das neue Altersvorsorgedepot geht

1. Das Altersvorsorgedepot ist ein Baustein, keine Strategie

Das Altersvorsorgedepot kann für viele Kundinnen und Kunden ein attraktiver Baustein sein. Es wird jedoch weder für jeden die passende Lösung sein noch die individuelle Vorsorge- und Finanzplanung ersetzen. Genau diese Einordnung ist jedoch wichtig, weil die öffentliche Diskussion leicht den Eindruck erwecken kann, als ließe sich die Vorsorgefrage künftig mit einem einzigen Produkt beantworten. 

Das deutsche Alterssicherungssystem basiert nicht ohne Grund auf drei Schichten. Von der Basisversorgung, zu der neben der gesetzlichen Rentenversicherung auch die Basisrente zählt, über die betriebliche Altersversorgung bis hin zur privaten Vorsorge erfüllen die einzelnen Schichten unterschiedliche Aufgaben und ergänzen einander. Daran ändert auch die AV-Reform nichts. Die neuen Möglichkeiten erweitern den Werkzeugkasten der privaten Altersvorsorge, sie ersetzen aber nicht die individuelle Analyse der persönlichen Versorgungssituation.

2. Die individuelle Situation ist entscheidend

Die individuelle Situation sollte die Richtung bestimmen. Damit ist jedoch nicht nur die Frage nach der höheren Förderung zwischen einem Riester-Vertrag und einem Altersvorsorgedepot gemeint. Vielmehr steht zuvor die Frage, welche weiteren Kriterien meine Altersversorgung noch erfüllen sollte. Geht es Anlegern zum Beispiel auch um die Absicherung von Hinterbliebenen, eine Vererbbarkeit des Ersparten oder flexible Zuzahlungsmöglichkeiten. 

Ob ein bestehender Riester-Vertrag oder das neue Altersvorsorgedepot für den Anleger besser passt, lässt sich nur nach Betrachtung der individuellen Situation beurteilen. Dazu zählt aber eben nicht nur der Vergleich der Förderquote, sondern die Betrachtung aller Vertragsmerkmale wie zum Beispiel des frühestmöglichen Rentenbezugs oder der Kapitalmarktorientierung des Anlegers.

3. Gute Reformen garantieren keine guten Produkte

Mit der Reform stehen die grundlegenden Leitplanken fest. Ob daraus attraktive Altersvorsorgelösungen entstehen, hängt nun von der konkreten Umsetzung der einzelnen Anbieter ab. Mehr Renditechancen, mehr Flexibilität und niedrige Kosten klingen vielversprechend. Wie sich diese Erwartungen in den konkreten Produkten widerspiegeln werden, lässt sich heute noch nicht abschließend beurteilen. 

Die Reform alleine schafft deshalb nicht die eine richtige Lösung für alle, sondern eröffnet einen Qualitätswettbewerb, an dessen Ende ein professioneller Produktvergleich stehen sollte.

Erst informieren, dann handeln

Verschiedene Anbieter erwecken den Eindruck, als müssten Sparer nun unmittelbar handeln, um sich die Förderung zu sichern. Richtig ist, dass das neue Altersvorsorgedepot zum 1. Januar 2027 startet. Vorher wird keine Förderung fließen. Genug Zeit also, um sich bis dahin umfassend darüber zu informieren, ob das neue AVD in die persönliche Planung passt oder ob man den bestehenden Riester-Vertrag wechseln sollte.

In unseren umfassenden Mayflower-AVD-FAQs haben wir für Sie viele Fragen und Antworten rund um das neue Altersvorsorgedepot zusammengestellt. Sollten Sie weitere Fragen haben, kommen Sie gerne auf uns zu.

Wichtige Informationen

Liebe Kunden und Interessenten,
Vorsicht vor betrügerischen Aktivitäten – wir setzen als Mayflower Capital AG stets auf den persönlichen Kontakt.