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Krankenversicherung | Beitragsentwicklung
Beitragsanpassungen in der Gesetzlichen und Privaten Krankenversicherung zum 1.1.2026
Pünktlich zum Jahreswechsel war es mal wieder so weit. Die Ausgaben für die Gesundheitsvorsorge stiegen sowohl in den gesetzlichen Systemen als auch in den privaten. Das Problem, dass die Ausgaben schneller steigen als die Einnahmen, besteht seit Jahren.
Wieso steigen die Beiträge zum 1.1.2026 zum Teil deutlich?
Die Ursachen hierfür kommen von zwei Seiten. Zum einen fehlen durch den demografischen Wandel die Einnahmen. Eine alternde Gesellschaft führt dazu, dass weniger Beitragszahler für eine wachsende Zahl älterer Menschen aufkommen müssen, die in der Regel höhere Ausgaben im Gesundheitssystem verursachen.
Zum anderen steigen gleichzeitig die Ausgaben. So sind beispielsweise die Gesamtausgaben der Krankenkassen massiv gestiegen – von 167,1 Mrd. Euro im Jahr 2009 auf 326,9 Mrd. Euro im Jahr 2024. Das liegt am medizinischen Fortschritt – neue, oft teurere Behandlungsmethoden, Medikamente und digitale Anwendungen (Apps auf Rezept) treiben die Kosten. Die Kostenentwicklung im Krankenhausbereich trägt einen wesentlichen Teil dazu bei: Höhere Gehälter für Personal, gestiegene Energiepreise und Materialkosten führen zu Milliarden-Mehrausgaben. Auch inflationsbedingte Anpassungen tragen ihren Teil dazu bei: Die allgemeine Inflation und Lohnsteigerungen erhöhen die Sach- und Personalkosten im gesamten Gesundheitswesen.
Vergleichbare Kostensteigerungen in beiden Systemen
Der langfristige Vergleich zeigt: Beide Versicherungssysteme unterliegen einer vergleichbaren Kostendynamik. Zwischen 2006 und 2026 stiegen die Beiträge in der privaten Krankenversicherung (PKV) um durchschnittlich 3,4 Prozent pro Jahr, in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) um 3,9 Prozent. Über kürzere Zeiträume zeigt sich ein ähnliches Muster. In den zehn Jahren zwischen 2015 und 2025 stiegen die PKV-Beiträge durchschnittlich um 3,9 Prozent pro Jahr, während die GKV-Beiträge um etwa 4,1 Prozent jährlich zulegten.
PKV-Beiträge steigen „sprunghaft“
Die Zahlen verdeutlichen, dass die Kostensteigerungen im Gesundheitswesen kein PKV-spezifisches Problem darstellen. PKV-Anpassungen werden oftmals jedoch als „deutlicher“ empfunden. Dies liegt an der Systematik der Anpassungen in der PKV. Dort darf eine Beitragsanpassung immer nur dann erfolgen, wenn die Versicherungsleistungen in einem Tarif nachweislich um einen bestimmten Prozentsatz höher liegen als ursprünglich kalkuliert. Gesetzlich vorgeschrieben ist eine Abweichung von 10 Prozent. Es ist aber auch möglich, einen niedrigeren Schwellenwert vertraglich zu vereinbaren. In manchen Tarifen ist das der Fall. Ob eine entsprechende Abweichung vorliegt, kontrolliert ein unabhängiger Treuhänder. Überschreiten die Kostensteigerungen in den PKV-Tarifen nicht die Schwellenwerte, gibt es auch keine Beitragsanpassung. Durch dieses Prinzip kommt es dazu, dass Beiträge scheinbar „sprunghaft“ steigen – auch wenn sich in der mehrjährigen Betrachtung ein deutlich niedrigerer Anstieg ergibt.
Der Spardruck ist enorm
Die Kosten steigen, der Reformdruck ist hoch. Sparideen werden aktuell fast täglich vorgebracht. Mal geht es um höhere Tabaksteuern, mal um Abgaben auf Zucker oder darum, Zahnarztbehandlungen aus dem Leistungskatalog der Krankenkassen zu streichen. Dass die Vorschläge zu diesem Zeitpunkt kommen, dürfte kein Zufall sein: Bis Ende März 2026 will die Finanzkommission Gesundheit ihre Empfehlungen zur Stabilisierung der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) vorlegen, um den Trend, dass die Ausgaben der GKV schneller steigen als ihre Einnahmen, zu brechen.
Strengere Regeln für Medikamente
Die Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung für Medikamente gehören zu den größten Posten im System: 2024 gaben die Kassen etwa 55,2 Milliarden Euro dafür aus – etwa 17 Prozent aller GKV-Leistungsausgaben. Ein diskutierter Ansatz stammt vom Sachverständigenrat Gesundheit und Pflege.
Die Gutachter loben zwar den medizinischen Fortschritt in dem Gebiet, bewerten aber die hohen Preise für Medikamente und Therapien kritisch. „Der durchschnittliche Preis eines neu eingeführten patentgeschützten Arzneimittels lag vor 15 Jahren bei rund 1.000 Euro und schwankte zuletzt um einen Wert von 50.000 Euro“, heißt es im Gutachten. Das sei problematisch und stelle eine Herausforderung für die Finanzierung des Gesundheitssystems dar. Mit einer anderen Preisgestaltung bei neuen Medikamenten ließen sich Milliardenbeträge einsparen.
Krankenhausreform bleibt ein Faktor
Weitere Milliarden ließen sich auch an einer anderen Stelle des Systems sparen: in der Krankenhauslandschaft. Voraussetzung dafür ist, dass die von Ex-Gesundheitsminister Karl Lauterbach angestoßene Krankenhausreform umgesetzt wird. Sie zielte darauf ab, die Zahl der Klinikstandorte zu verringern und die Versorgung durch stärkere Spezialisierung zugleich auf hohem Niveau zu sichern. Aktuell gibt es etwa 1.600 Standorte in Deutschland. Behandlungen würden nicht mehr überall stattfinden, sondern nur noch in ausgewählten Kliniken. Positiv auf die Kosten könnte sich zudem auswirken, dass die Fallzahlen durch eine Spezialisierung sinken dürften und einfachere Fälle häufiger ambulant behandelt werden sollten.
Wie können sich Versicherte vor steigenden Beiträgen schützen?
Ob, wie und wann Reformen umgesetzt werden, ist offen. Und auch, ob sie die Beitragssteigerungen ausreichend bremsen können. Wer darauf nicht setzen möchte, kann – ob gesetzlich oder privat krankenversichert – heute schon geeignete Maßnahmen ergreifen, um die Steigerungen im Rentenalter zu kompensieren. PKV-Versicherte können ihren Versicherungsschutz um eine Beitragsentlastungskomponente ergänzen, um im Rentenalter ihren Krankenversicherungsbeitrag zu senken. Der Aufwand für die Beitragsentlastungskomponente wird steuerlich gefördert und bei Angestellten – unter bestimmten Voraussetzungen – durch den Arbeitgeber bezuschusst. GKV-Versicherte haben die Möglichkeit, im Rahmen einer hierfür eingerichteten Rentenversicherung die Finanzierung der Krankenkassenbeiträge auch im Rentenalter problemlos leisten zu können. Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten, die je nach Konzept steuerlich gefördert werden. |